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Als die Götter noch jung waren

Seit der Wiederentdeckung der Nibelungenlied-Handschriften Ende des 18. Jahrhunderts ist bis in die neueste Zeit hinein viel nach den historischen Grundlagen des Sagenstoffs geforscht worden. Die Suche erstreckt sich auf die Völkerwanderungszeit sowie die Entstehungszeit des Liedes um das Jahr 1200.  Über die Suche nach dem sogenannten historischen Kern der Nibelungensage hat nun Matthias Schulz (Spiegel Nr. 20; 14. Mai 2005) einen Diskussionsbeitrag geliefert, der unter dem Titel: »Forscher suchen nach dem historischen Kern der Nibelungensage« eben dieser These breiten Raum gibt. Norbert Lönnendonker, von Haus aus Chemiker, vertritt in seinen Veröffentlichungen eine völlig gegensätzliche These.

Für ihn ist die Nibelungensage aber keine ‘nur’-literarische Fiktion, sondern er sammelt Belege dafür, dass Grundlage der Nibelungensage die germanische Göttersage ist. Als Antwort auf Heinz Ritter-Schaumburgs Buch „Die Nibelungen zogen nordwärts“, das sich mit den besonders zahlreichen Ortsangaben in der Thidrekssaga, (der Dietrichssage), beschäftigt, hat er eigene Forschungen angestellt und ist dabei zu einer Fülle interessanter Entdeckungen und Ergebnisse gekommen.

Grundsätzlich teilt er Ritter-Schaumburgs These, dass die Nibelungen um Siegfried, Gunther und Etzel, die auch in der Thidrekssaga eine große Rolle spielen, sich in einem sehr viel kleineren Radius bewegt haben müssen als bisher angenommen, nämlich vom Eichsfeld im Osten bis zu den Bördelandschaften von Soest Warburg und Zülpich sowie westlich bis nach Trier und den Niederlanden. Dass die zahlreichen Ortsnamen der Thidrekssaga von manchen Autoren – primär wohl aus Unkenntnis – von den späteren Erzählern und Bearbeitern häufig mehrere Hausnummern zu groß interpretiert wurden, ironisiert er als kaiserzeitlichen Größenwahn eben dieser Autoren. Die zahlreichen Ungereimtheiten, die Lönnendonker Ritter-Schaumburg aufgrund ausführlicher Recherchen in Handschriften und einschlägigen Werken nachweist, haben ihn allerdings nicht entmutigt, sondern zu weiteren bemerkenswerten Entdeckungen geführt, nämlich dass der Kern der Sage nicht während der Völkerwanderungszeit entstanden sei, sondern in der vorrömischen Eisenzeit, etwa im 5. Jahrhundert vor Christus. In dieser Zeit, so der leidenschaftliche Forscher, seien die Götterkulte noch im Umbruch gewesen. Ein Vergleich der Attribute der Götter und der ‘Helden’ der Nibelungensage fördert eine Reihe verblüffender Ähnlichkeiten zutage. Folgerichtig nennt Norbert Lönnendonker sein im Rhombos Verlag, Berlin 2003 (ISBN 3-930894-92-0) erschienenes Buch „Als die Götter noch jung waren“.

Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage

Dass er sich dabei ausführlich mit der Frage nach Siegfrieds Hornhaut auseinandersetzt und Siegfried damit in die Nähe des keltisch/germanischen Eberkultes bringt und dass er sich dabei auch um Erklärungen für sprechende Vögel und andere zauberische Elemente bemüht, ist interessant, wenn auch manchmal erst auf den zweiten Blick überzeugend.

Lönnendonkers Werk ist mit Sicherheit eine Fundgrube für neue Denkansätze; die Schwäche – wenn man das Schwäche nennen soll – liegt darin, dass die Lektüre von Ritter-Schaumburgs Buch, mindestens aber der Dietrichsage vorausgesetzt wird, Zusammenfassungen wären hier hilfreich gewesen, auch fehlt eine Karte, mit Hilfe derer man die Bewegungen der Nibelungen (Niflungen) hätte nachvollziehen können, und schließlich hätte man sich auch klare Schlussfolgerungen am Ende jedes Kapitels gewünscht. (Lönnendonker verspricht jedoch, dass Karten in seinem geplanten neuen Buch zur Entschädigung der Leser reichlich vorkommen werden). Für den Kenntnisreichen und Wissensdurstigen ist die Lektüre gerade dieses Buches allerdings ein großer Gewinn.


Wer waren die Nibelungen wirklich?
 

Mehr zum Thema Nibelungen finden Sie auch in folgendem Buch von MARIO BAUCH:


WER WAREN DIE NIBELUNGEN WIRKLICH?
Die historischen Hintergründe der germanischen Heldensagen.

Die germanischen Heldensagen beruhen auf historischen Ereignissen und Personen. Dies gilt heutzutage als akzeptiert. Die geschichtlichen Abläufe und Persönlichkeiten, die an der Sagenbildung beteiligt waren, sind nachwievor strittig.

wer-waren-die-nibelungen.buch123.com


Schlagwörter: Namenkundliche Untersuchung, Nibelungensage, Nibelungenlied, Nibelungen, Helden, Germanen, historische Ereignisse, Sagen, Forschung, Historiker.

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Letzte Änderung: Montag, 16.06.2008   Obacht! Diese Webseite ist urheberrechtlich per Copyscape geschützt!   Erstellt von TYPO3-Beratung.com